Auftraggeber:

Europäische Kommission, GD Landwirtschaft

Projektbeschreibung

Forschungsnetzwerk zur ländlichen Regionalentwicklung (RUSSTIC)

Das Forschungsprojekt befasst sich mit Ausmaß und Richtung von Verschiebungen in der landwirtschaftlichen Produktion und mit der Frage regionaler Marginalisierung. Innerhalb des Projektes wird eine Tiefenanalyse zur Produktivitätsentwicklung bei Feldfrüchten und Viehhaltung und deren potenzieller sozioökonomischer und umweltbezogener Auswirkungen für 24 Regionen in 11 EU-Mitgliedsstaaten und der Schweiz durchgeführt.

Auf der Grundlage der Ergebnisse einer umfassenden statistischen Auswertung werden Fragen zur Zukunft von Regionen mit weniger wettbewerbsfähigen Strukturen oder niedrigerer Produktivität der landwirtschaftlichen Flächen sowie Fragen zur Schwächung des ländlichen Raumes und zu Einkommensalternativen untersucht. Bezogen auf die Entwicklungen in produktiveren Landwirtschaftsgebieten mit intensiver Bewirtschaftung werden Fragen nach der Einflussnahme auf hochspezialisierte Landwirtschaftsunternehmen, der Verschuldung von Landwirtschaftsunternehmen und Umweltbelangen bearbeitet.

Für die statistische Auswertung werden Daten von fast 7000 landwirtschaftlichen Haushalten in 24 europäischen Untersuchungsgebieten des „Rural Change in Europe”-Projektes herangezogen. Diese Daten sind repräsentativ für die verschiedenen Typen ländlicher Räume in Europa. Innerhalb des Forschungsansatzes wird der Versuch unternommen, die Perspektive des landwirtschaftlichen Einzelhaushaltes in Bezug zum regionalen Kontext und zur jeweiligen nationalen und europäischen Politikebene zu setzen. Die durchgeführten Untersuchungen umfassen deskriptive sowie Faktoren- und Cluster-Analysen. Auf regionaler Ebene vollzieht sich eine Polarisierung, die weitgehend mit einer verhältnismäßigen Wettbewerbsfähigkeit einhergeht und somit zumindest teilweise politisch bestimmt wird. Am augenfälligsten ist die Konzentration intensiver Viehhaltung in den nordwestlichen Teilen Europas. Periphere Gebiete mit einem hohen Anteil des Landwirtschaftssektors an der Gesamtbeschäftigung und mit weniger günstigen natürlichen Voraussetzungen für landwirtschaftliche Produktion sind am empfindlichsten für die Entwicklungen innerhalb der Landwirtschaft.

Traditionelle landwirtschaftliche Kleinunternehmen mit niedriger Produktivität werden in solchen Gebieten rapide an den Rand gedrängt. Die Common Agricultural Policy (CAP) ist zumindest teilweise verantwortlich für die regionale landwirtschaftliche Polarisierung (und die regionalen Disparitäten).

Eine Gleichsetzung effektiver landwirtschaftlicher Produktion mit niedrigen Produktionskosten und hohen Einnahmen berücksichtigt in unzureichendem Maße die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Ein wettbewerbsgeleiteter landwirtschaftlicher Wandel unter schon immer weitgehend politikgesteuerten Bedingungen deckt sich nicht mit den Entwicklungszielen in vielen (wenn nicht den meisten) ländlichen Räumen.

Ansprechpartner im IfLS: Karlheinz Knickel